Daily Archives: Friday April 23rd, 2010

Rolwaling Himal – Im Land des Yeti

Porters in Rolwaling


Montag, 5.4.2010 – Simigaon (das Böhnchendorf)

Tsampa und Bioflorin zum Frühstück. Essen: Kartoffel mit Kakerlaken. Dann Flöhe im Bett und Auszug ins Zelt.

Dienstag, 6.4. 2010 – Dongyang

Simigaon - das BöhnchendorfKeine Schwarzbären getroffen, dafür Waldbeeren – Walderdbeeren – jede Menge, aber leider nur in blühender Form. Und natürlich Rhododendron in rot, rosa und weiß – in dieser Reihenfolge von unten nach oben; beinahe alchemistische Präzision. Die Karten sind sämtlich falsch, aber man findet den Weg. Nett ist der Weiler Kyalche, wo man auch schlafen oder zelten kann. Gutmütige Sherpa Wirtsleute mit Geschäftssinn und vielen Kindern und ein paar Geissen – letztere angeblich hauptsächlich für die Kinder zum Spielen. Der Zeltplatz von Dongyang liegt direkt am Fluss mit Sandstrand und wiederum vielen kleinen Zicklein. Merke: hochschwangere Ziegen grasen im Knien.

Mittwoch, 7.4.2010 – Beding

 

Unsere Träger und der GuideNett für Wanderer, frustrierend für Bergsteiger. Padmasambhava-Höhle, ein Passionsweg cum Orientierungslauf. Eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang oben gewesen. An zwei alten Weiblein vorbei, die uns in die Irre geschickt haben. Wir Zelten bei einer rundlichen Frau, die fünf Kinder hat. Der älteste studiert in den USA. Das Dorf ist fast leer, da beinahe alle auf der Sommerweide in Na sind. Die meisten hier haben drei Häuser. Da keine Menschen im Ort sind und alles ausgestorben, müssen wir wohl auf Na hoffen um einen Guide für die verschlungenen Pfade nach Tashinam zu finden. Sogar der Lama ist in Na. Ich spüre ein bisserl die Knie heute. Da wir endlich in spannendere Gegenden kommen, aber aus Zeitmangel schon bald wieder umkehren müssen, spüre ich auch den Kopf.

Außerdem eine kleine Schmutzkrise. Das Bergleben in Nepal und Tibet ist definitiv nicht idyllisch, sondern meist stumpfsinnig, kalt, voll Hunger und eben Schmutz. Ich nehme es den Leutchen nicht übel, dass sie sich keine Zeit zum Kehren nehmen. Hier, fast eine Woche von der Zivilisation, herrscht Mittelalter. Da können die gelegentlichen Eco-Himal Brunnen oder spärlichen Solarfunzeln nicht darüber weg helfen. In der Stube hängt eine riesige Schamanentrommel samt dem dazu gehörigen charakteristisch gebogenen Schlägel. Trotz Wandbildchen und Schriftrollen bin ich nicht mal sicher, ob überhaupt der Buddhismus schon angekommen ist. Dafür gibt’s Stille, erfreulich wenig Wind, Gletscherbrüche rundum und nochmals Stille. Kamine gibt’s jedenfalls nicht und selbst wenn man nicht unmittelbar in der Küche sitzt, sondern im kalten Nebenzimmer, wird man noch geselcht. Drum haben hier alle den grauen Star.

Habe alle Flohbisse mit wissenschaftlicher Genauigkeit und Kugelschreiber eingekringelt um den Fortschritt der Dekontaminationskampagne besser überwachen zu können. It’s all about Evaluation nowadays. Bei jeder Übersiedlung vom Bauernhäuschen ins Zelt gibt es ein Screening mit Hosen abklopfen, Socken schütteln und späterem Schlafsack nach kontrollieren. Alles was schwarzer Punkt ist und zuerst da und dann plötzlich weg, ist wohl einer gewesen. Wohin dieser Punkt jedoch sich abgesetzt hat ist schwer nachvollziehbar und erinnert mich an Opis Geschichten aus dem Partisanenkrieg. Aber o.k., machen wir aus einem Floh kein Hippopotamus. Morgen scheint die Sonne wieder und zu den Kartoffeln gibt’s heute sogar Ketchup sowie gegebenen ja Käse, der auf der Moos’schen Härteskala gleich hinter Diamant kommt und erst in heißem Wasser eingelegt werden muss, damit man ihn reiben kann.

Weisser Rhododendron - nicht gut für Sirup

Kartoffeln werden nur halb gekocht da das Brennholz rar ist und in der Höhe die Dinge ja ohnehin viel langsamer kochen. Another Eleutherococcus please!

PS: wie wir nun wissen braucht man/frau Stampfbeinchen nicht nur für den klassisch indischen Tempelstanz und das Weinpressen in Maharashtra, sondern hier auch fürs Wäsche waschen. Alles in einen Bottich, Seife dazu und los gestampft bis die Seifenblasen munter schillernd empor stieben. Ab bestimmt auch eine positiv prophylaktische Wirkung auf die Hornhaut und senkt die lokalen Pedikürekosten. (Was für ein Glück, ist gerade keine Blutegelsaison!) Ein Adler kreist auf Augenhöhe zu unserem Zeltplatz und gleitet dann Richtung Dorfzentrum. Wir gehen hier immer um acht ins Bett (in den Schlafsack) und stehen um 5.00 Uhr schon wieder auf. Sollte eigentlich ein Schlafüberschuss rausschauen – aber irgendwie brauchen wir Großstadt-Wabbler das gerade. Außerdem bleibt mal wieder Zeit zum Träumen. Ich, zum Beispiel, habe letzte Nacht in einem kleinen Geschäft in Asien – das sich später als Kaufhaus aller KaDeWe in Berlin entpuppte – eine kleine graue Katze namens Hermann (!) erstanden. Nun konnte ich beim vormittaglichen Durchschreiten der großen Fadheit dann rätseln, woher Hermann, die anschmiegsame graue Katze in meine Traumwelt geschlichen war. Wieso überhaupt Hermann? Oder haben wir es hier mit einer prophetischen Vision zu tun, inspiriert durch die heilige Abgeschiedenheit des Rolwaling? Aber wie um Himmels willen deuten ohne Daniel weit und breit? Mir selbst fällt bei Hermann nur Göring ein. Als eine Weltuntergangsvision in Form einer grauen Katze? Aber sind es sonst nicht die grauen Mäuse, die dafür verantwortlich sind?

Donnerstag, 8.4.2010 – Beding – Na – Beding

Die schönsten BlumenLämmergeier gesehen. Er ist 10 m neben uns auf Augenhöhe geflogen. Es war kurz vor Sonnenuntergang und er folgte dem Flusslauf auf seiner allabendlichen Runde. Beim Abstieg nutzte leider die heimkehrenden Yaks denselben Weg. Doch Sonya trat ihnen beherzt entgegen mit einem 5 kg Stein bewaffnet, den sie zwar wohl nicht hätte weit werfen können, aber im Nahkampf wäre er bestimmt von Nutzen gewesen und hätte möglicherweise sogar einen Treffer landen können. Im Ernst, bloßes Bücken reicht schon. Im Gegensatz zum Wiener Naschmarkt Jungs kommen die Yaks dabei nicht näher sondern nehmen reissaus, da sie die Steinwürfe fürchten. Überhaupt tun sie einem nur etwas, wenn sie fürchten müssen beladen zu werden. Verständlich irgendwie.

Freitag, 9.4.2010 – Tamakosital

Auf dem Rückweg sehen wir wieder Waldbrände. In Tashinam sorgen sich Holländer dass wir zwischen ihnen zelten könnten und so ihr Gruppenverhalten stören würden. All das nach 11 h Marsch mit fast 2000 m Abstieg. Uff! Sonnenstich und Knieschmerzen. Ein Horizontsschleicher der Superlative – mit schönen Aussichten. Das nächste Mal bitte mehr Zeit!

–> Mehr Photos gibts hier.

Fluss ohne Wiederkehr bei Beding


Tagged , Leave a comment