Es ist schon seltsam, wie die Gesichter von Verwandten und Wahlverwandten sich ähneln und miteinander harmonieren.
Als ich neulich mit Aperture die automatisch erkannten Gesichter mit den wirklichen Namen der Leute abglich, traten seltsame Zusammenhänge zu Tage. Die ersten automatisch erkannten Gesichter stimmen üblicherweise gut mit der Wirklichkeit überein. Weiter unten sind dann einige fremde Gesichter dabei; ganz am Ende der Liste werden dann nur noch Fremde angezeigt. Indem man die von dem Programm ausgespuckten Gesichter bestätigt oder zurückweist füllt man einerseits die Gesichterkategorien und hilft andererseits dem Programm zu lernen.
Interessant bei diesem, an sich langweiligen Prozess, sind bestimmte Ähnlichkeitsmuster, die auftreten. So ist es seltsamerweise oft eine besondere Person die gehäuft als erste fremde Person in der Liste auftaucht. In meinem Fall war es Diepak, Sonyas älterer Bruder. Im Fall von Sonya – Saras älterer Schwester – tauchte erstaunlicherweise zuerst ein Mann auf – nämlich Frederic – Saras langjähriger Freund.
Conclusio
Eine erste simple Conclusio könnte sein: Sara suchte lange Jahre nicht einen Freund, sondern unterbewusst einen Ersatz für ihre ältere Schwester. Sonya wiederum suchte keinen Mann, sondern einen Ersatz für ihren älteren Bruder.
Erschreckend was so eine Maschinen an unterbewussten Gruselverstrickungen zu Tage fördert. Erstaunlich, wie wir die Gesichtszüge der Wahlverwandten mit denen von unmittelbar Verwandten abgleichen – zumindest scheint es so. Andererseits gewöhnen wir uns an den Schrecken; so lasse ich mich doch inzwischen nicht nur von der Maschine analysieren, sondern spreche mittlerweile auch schon mit ihr. So etwa alle zwei Jahre testete ich jeweils die neueste Spracheingabesoftware. Trotz Verwendung ausgezeichneter Mikrofone war ich bisher immer mäßig zufrieden gewesen. Diesmal jedoch scheint die neueste Technik verwendungsreif zu sein. So habe ich diesen Text, nach einer vergleichsweise viel kürzeren Lehrzeit, beinahe fehlerfrei diktieren können – in jedem Fall viel schneller als wenn ich es auf der Tastatur geschrieben hätte.

Endlich, er versteht mich
Endlich – der Computer versteht mich. Nicht nur meine psychologischen Muster, sondern auch was ich sagen will. Das trifft sich wunderbar mit meiner momentanen Beschäftigung mit der Kultserie “Battlestar Galactica”, in der es ebenfalls um die Auseinandersetzung – im etwas gewalttätigeren Sinne – zwischen Mensch und Maschine geht. Sind sie erst einmal geschaffen, lernen die Roboter offenbar schneller als wir Menschen. In der Serie haben sie uns innerhalb von wenigen Jahren überholt, denken in viel größeren Maßstäbe, reinkarnieren ihre gerade erst akquirierte Bewusstseine präzise wie Tulkus, und – mehr noch – halten sich für Götter.
Aus diesem Grunde habe ich mir soeben ein kleineres Netbook bestellt, dass zwar eine viel längere Akkulaufzeit hat, als mein jetziges Notebook, dafür aber eine viel schwächere Rechenleistung. Mein jetziges Notebook werde ich bei eBay verkaufen und davor jegliche Software radikal löschen. Vielleicht kann ich auf diese Weise zumindest verhindern, dass mein Computer mir demnächst erklärt, er sei mein Gott. Auch werde ich die nächsten Monate regelmäßig mit einem Skalpell in die Lüftungsschlitze stoßen, um zu sehen ob etwa Blut hervorquillt. Sollte einer meiner elektronischen Geräte beginnen organisches Gewebe zu entwickeln, würde ich es/sie/ihn mit einer Hand voll Sandelholz zum Ganges tragen und rituell verbrennen. Irgendwo muss Schluss sein – derweilen geht es aber noch.
