Monthly Archives: Saturday March 1st, 2008

Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten

Wie alles begann

Nepal 20082001 war ich zum ersten Mal in Indien gewesen. Nach dem Besuch des bisher grössten Kumbha Mela in Allahabad mit über 30 Millionen Pilgern, Sadhus, Naga-Babas und Guru-Celebrities hatte ich dringend Erholung nötig. Mit Matthias, einem guten Freund, bin ich erst mal in die “Hills” gefahren, genauer gesagt nach Shimla, der ehemaligen britischen Sommerresidenz. Da aber Winter war, gab es dort dann wiederum zu wenig zu tun – abgesehen vom Besuch diverser Sweetshops und eines Schneiders.
Dann sind wir ins Kino. Die beiden Filme waren so schlecht, dass sie schon wieder gut waren. Interessant höchstens noch das Verhalten der Handvoll (männlicher) Jugendlicher im Hintergrund des viel zu grossen Saales.

 

Das Buch

Schliesslich sind wir darauf in unserer Verzweiflung und angesichts des Nieselregnes und der Kälte darauf verfallen ein Buch zu lesen. EinBuch. Wir hatten (aus Gewichtsgründen) nämlich nur eines mit – eben Pirsing’s “Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten”. Um etwas von Shimla zu sehen und um aus dem kalten Hotelzimmerloch zu flüchten, haben wir uns daher in den Pavillon oberhalb des Hauptplatzes (The Ridge) gesetzt, gestellt, gelümmelt und uns laut aus Pirsing’s velo-philosophischem Konvolut vorgelesen. Ab und an kamen ebenso gelangweilte Inder hinzu und haben uns fragend angestarrt. Im Grossen und Ganzen aber war dieses Experiment eine ganz neue Lese-Erfahrung: Eine Art Outdoor-Live-Reading, die Verschmelzung des indischen Realwinters mit dem amerikanischen geistigen McCarthy-Winters.
Jahre später (2008), ebenfalls im Winter, war ich dann zum ersten Mal mit einer Bullet unterwegs – in den Bergen Nepals. Der Testride führte auf einer geliehenen 350-er von Kathmandu in die Vorgebirge des Solo Kumbhu, in den ‘Luftkurort’ Charikot. Eine gute Tagesreise hin und nach ein paar Tagen wieder retour. Bei der Rückfahrt tauchte noch unvermittelt hinter einer Abwärtskurve eine automatisierte Gerstentrocknungsanlage auf. Trotz sehr vorsichtigem Fahren musste ich gleich von Anfang an feststellen, wie verwundbar man in Südostasien auf einem Moped ist. Die lückenlose Gerstenfläche wurde von Bike und Biker getrennt überquert. Letzterer schimpfte auf die verdutzte Bäurin ein, ersteres ließ einen Kupplungshebel und Blinker hängen. Viel mehr war GsD nicht passiert, wenn auch ein paar Kilometer später die Front-Nummerntafel abfiel (ein häufiges Problem) und ein Stück weiter das Vorderrad einen Platten hatte. Bin dann unter Kindergegrinse im Schrittempo bergab gerollt und hatte Glück im Unglück, gleich im Talboden, im weitaus einzigen Ort auf langer Strecke, einen puncture-Wallah anzutreffen. In den Vororten von Kathmandu wurden dann die restlichen Schönheitsprobleme behoben und die Bullet für die verbleibenden Miettage an meinen Schwager Agam weitergereicht, der, gemeinsam mit seinem Sohn, noch einen Heidenspass daran hatte.
Ich hatte vorerst genug und brauchte ein Jahr Pause für den nächsten Schritt.
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